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Eine Woche voller Klischees
 

Beeindruckend ist St. Petersburg und anders außerdem. Wir, 23 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 12/13 des Sängerstadt-Gymnasiums Finsterwalde, machten uns gemeinsam mit Frau Pukrop und Frau Richter auf den Weg in das etwas kühle „Venedig des Nordens“.
 
Schon kurz nach der Landung auf dem Petersburger Flughafen wehte uns ein frischer Wind um die Nasen und graue Wolken bedeckten den Himmel. Doch unsere Stimmung ließ sich davon nicht trüben, denn wie oft reist man nach Russland?!
Nach zweistündigem Flug und einer ebenfalls sehr lang erscheinenden Busfahrt trafen wir endlich im „Morskoj Woksal“, unserem Hotel direkt am Finnischen Meerbusen, ein, stellten unsere Koffer ab und machten uns auf ins Getümmel des Njewski-Prospekts. Viele widersprüchliche Eindrücke stürzten dort auf uns ein: Während auf dem Bürgersteig junge, gertenschlanke Frauen in scheinbar meterhohen High-Heels und ultrakurzen Röcken flanierten sowie telefonierende Geschäftsmänner über den Gehsteig eilten, saßen an den Haltestellen der Trolleybusse arm gekleidete, um wenige Rubel bettelnde Babuschkas und ein Taschendieb prügelte sich mit der Polizei. Auch über so manchen Uniformierten waren wir erstaunt und besonders die schicken Matrosen hatten es einigen unserer Mädels angetan. Somit wurde fast jedes Klischee der russischen Bevölkerung bedient, außer das des „Schapka tragenden“ Wodkatrinkers. Vielleicht lag das aber auch daran, dass wir noch keine
-30°C zu beklagen hatten.
Doch natürlich spazierten wir nicht nur über den Njewski-Prospekt: Die 5 Tage in St. Petersburg waren vollgepackt mit Sehenswürdigkeiten, und an so manchem Nachmittag hatten unsere Lehrer ihre liebe Not, eine interessierte, jedoch fußlahme Herde Schüler voranzutreiben. Wir besichtigten unter anderem den Katharinenpalast und waren beeindruckt von den riesigen Hallen, dem eindrucksvoll gelegten Parkett, den Spiegelillusionen und vor allem von dem vielen Gold. Auch das berühmte Bernsteinzimmer durchschritten wir. Die einzige Enttäuschung: Der Großteil der Fassadenvergoldung war nicht echt, sondern nur mit brauner Farbe angestrichen, da ein erneutes Vergolden zu teuer gewesen wäre.
Pünktlich zu unserem Besuch im Peterhof hatte auch Petrus ein Einsehen und ließ die Sonne scheinen, die wunderschöne Regenbogen in die aufspritzenden Fontänen der Springbrunnen zauberte.
Böse Blicke handelten wir uns in der Peter-Pauls-Kathedrale ein, weil einige das Blitzen beim Fotografieren nicht lassen konnten. Doch das tat dem Interesse an den Gräbern der russischen Zaren keinen Abbruch und wer bis 12 Uhr noch nicht wach war, den weckte garantiert der laute Kanonendonner des täglichen Salut-Schusses.
In der Eremitage und im Winterpalast konnten wir die Anwesenheit der russischen Zaren regelrecht spüren, wie sie in herrlichen Gewändern durch die goldenen mit Kristallen und Edelsteinen verzierten Räume tanzten, die heute als Gemäldegalerie dienen.
Natürlich durften auch die Besichtigungen des Panzerkreuzers Aurora und des Denkmals Peter des I. nicht fehlen. Das „Schwarze Quadrat“, ein Gemälde im Russischen Museum, stellte so manchen von uns vor ein Rätsel: Was um Gottes Willen will uns der Künstler damit sagen?! Ich glaube, auf diese Frage hat keiner von uns eine Antwort gefunden.
Antworten waren in Sankt Petersburg sowieso so eine Sache für sich. Da die meisten von uns schon so einige Jahre Russisch hatten, versuchten wir natürlich diese Kenntnisse auch anzuwenden. Doch das gestaltete sich im Allgemeinen sehr schwierig. Stellte man eine Frage auf Russisch, so antworteten die Petersburger in einem irren Tempo und wir verstanden sprichwörtlich bloß noch Bahnhof. Und wehe dem, der Englisch spricht! Schon eine kleine Frage auf Englisch reichte aus, um prompt von einem schroffen „Njet, njet, njet!!!“ unterbrochen zu werden. Nicht ganz einfach für eine Truppe Mitteleuropäer in der Großstadt.
Am letzten Abend, als großes Highlight, planten einige von uns das allnächtliche Öffnen der Petersburger Zugbrücken zu beobachten, doch das fiel nicht ins Wasser, sondern in den Wind: Die Brücken blieben wegen Sturmes geschlossen.
Nachdem wir am letzten Tag noch einmal in die Petersburger Unterwelt der Metro herabgestiegen waren, traten wir am späten Donnerstagabend mit 3 Stunden Verspätung unseren Flug in die Heimat an und erlebten aus der Luft einen grandiosen Sonnenuntergang. Dies war der krönende Abschluss einer äußerst gelungenen Studienfahrt in die Stadt, mit der Peter I. „das Fenster nach Europa“ geöffnet hat.
 
Caroline Krause (JGS 13)