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Rezension Musical von Annika Dittrich  (Musik GAN 11/I)


 
„Ghost - Nachricht von Sam“ gehört zu den Liebesfilmen, bei dem selbst die härtesten Männer mit den Tränen zu kämpfen haben. Der Film, der 1990 in die Kinos kam, war sofort ein echter Kassenschlager. Die „Töpfer-Szene“ ist wohl eine der bekanntesten, die es in der Filmgeschichte gibt. Heute besitzt er einen wahren Kultstatus und wurde nun sogar als Musical auf die Bühne gebracht.
Wie jedes Jahr besuchen die Musikkurse der 11. Jahrgangsstufe ein Musical, um das Thema des Musiktheaters zu vertiefen.  Dieses Jahr ging es am 13. Juni zum Theater des Westens nach Berlin, um „Ghost – Das Musical“ live zu sehen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Molly Jensen und Sam Wheat. Das junge Pärchen ist gerade in eine gemeinsame Wohnung gezogen und befindet sich auf dem Höhepunkt ihres Lebens. Kurz darauf wird Sam jedoch bei einem Überfall erschossen, was Molly vollkommen aus der Bahn wirft. Während sie trauert, bleibt Sam als Geist auf der Erde und findet heraus, dass sie in großer Gefahr schwebt. Als Geist kann er natürlich mit niemandem Kontakt aufnehmen, bis er auf die eigentliche Betrügerin Oda Mae Brown trifft. Sie ist die Einzige, die ihn hören kann. Mit ihrer Hilfe versucht er seine große Liebe zu beschützen und den verantwortlichen Mörder aufzudecken.
Ich persönlich bin ein sehr großer Musical-Fan und hatte vorher schon „Mamma Mia“ und „Ich war noch niemals in New York“ besucht, sodass meine Erwartungen ziemlich hoch waren. Dadurch, dass das Stück auf einem Film basiert, bestand die Gefahr, dass es nur ein Abklatsch ohne eigenen Charme wird. Hier kann ich jedoch gleich sagen, dass dies nicht der Fall war. Dazu später aber mehr. Aufgrund der Größe des Projektes erwartet man natürliche professionelle Schauspieler und Sänger, die die Gefühle sehr gut ausdrücken können und bei denen kein Ton schief gesungen wird. Bühnenbild und Showeffekte sollten dabei unterstützend eingesetzt werden und zu einem Wow-Effekt führen. Die Musik sollte zur jeweiligen Szene und Stimmung passen und von einer gut ausgearbeiteten Choreografie ergänzt werden.
Die Rolle der Molly Jensen wurde von Willemijn Verkaik gespielt. Sie hat es geschafft, dem Charakter Leben einzuhauchen. Der Zuschauer konnte total nachvollziehen, wie es sich anfühlen muss, einen geliebten Menschen zu verlieren. Die Emotionen und Gefühle wurden über Mimik, Gestik und ihrem Gesang rübergebracht, der übrigens wirklich beeindruckend war. Verkaik hat eine sehr ausdrucksvolle und kräftige Stimme, von der man sofort verzaubert wurde. Mindestens genauso gut war Mathias Edenborn, der Sam verkörperte. Anfangs war ich etwas enttäuscht, weil ich mich schon auf Alexander Klaws gefreut hatte, der die Hauptrolle eigentlich verkörpert. Seine Zweitbesetzung konnte aber schon nach wenigen Minuten vollkommen überzeugen. Auch seine Schauspielerei war einwandfrei, sodass man als Zuschauer schon selbst die Verzweiflung spürte, ebenso wie der gute Gesang, an dem man nichts bemängeln konnte. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern hat gestimmt, was in Anbetracht der Story wirklich wichtig war. Eines meiner kleinen persönlichen Highlights war Oda Mae, dargestellt von Marion Campbell. Sie sorgte für ein paar lustige Momente während des doch recht ernsten Stückes. Ihre Schauspielerei war grandios, sodass sie Whoopie Goldberg, die Oda Mae im Film verkörpert, ohne Zweifel die Hand reichen kann. Mit ihrer kräftigen Stimme legte sie ein paar sehr gute Gesangseinlagen hin. Natürlich sollte man bei den Darstellern auch nicht die vielen Nebendarsteller vergessen. Zum einen wäre da noch Andreas Bongard, der Carl Brunner, den besten Freund von Sam, zum Leben erweckte. Carl stellte sich im Nachhinein als ein Verräter heraus, der mit Sams Mörder unter einer Decke steckte. Grundsätzlich gibt es an ihm nichts auszusetzten, jedoch war die Figur meiner Meinung nach als Antagonist etwas schwach. Dann gab es z. B. noch den U-Bahn- und Krankenhaus-Geist, die trotz ihres relativ kurzen Auftrittes sehr detailreich gezeichnet wurden. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass alle Darsteller das Beste gegeben haben und damit auf ganzer Linie überzeugen konnten.
Bei einem Musical spielt natürlich auch das Bühnenbild eine große Rolle. Anfangs war ich eher skeptisch, da viele Betonbalken verwendet wurden, was sehr schnell einen kühlen, fast schon langweiligen Eindruck machen konnte. Durch verschiedene Requisiten und Projektionen hat man es aber geschafft, das einfache Bühnenbild in die verschiedensten Orte zu verwandeln. Allgemein spielt das Stück in New York, was zusätzlich durch eine gute Geräuschkulisse verstärkt wurde. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die neue Wohnung von Sam und Molly in einen komplett anderen Schauplatz. Die neueste Technik und schnelle Mitarbeiter ermöglichten den Wechsel ohne großes Aufsehen, sodass es während des Stückes zu keinen Störungen kam. Was die Spezialeffekte angeht, war ich äußerst überrascht. Man muss immer bedenken, dass ein Musical nicht dieselben Möglichkeiten hat wie ein Film. Trotzdem hat man es geschafft, sehr real wirkende Effekte einzubauen. Da konnte Sam dann doch mal durch eine Tür durchgehen, während Carl von einem heimtückischen Strudel aus der Welt gezogen wurde. Was schnell überladen wirken kann, wurde hier gekonnt und im richtigen Maße eingesetzt. Passend dazu nutzte man Lichteffekte, um die Wirkung zu verstärken. Sam erschien in einem etwas bläulichem Licht, sodass er als Geist immer gut erkennbar war. Wenn die Lichter über das Publikum tanzten, hatte es fast schon eine magische Atmosphäre. Auch hier wurde nie übertrieben. Besonders ist mir die U-Bahn-Szene im Kopf geblieben, die wirklich fantastisch inszeniert wurde.
Die Kostüme wurden passend zu den Figuren gestaltet und waren somit relativ einfach gehalten. Da das Stück in einem modernen New York spielt, trugen die Charaktere meist normale Alltagskleidung. Auffallend war dann die Kostümierung einiger Geister, die sehr detailreich gestaltet wurde. So befanden sich unter ihnen z. B. ein Matrose oder eine adelige Lady aus dem 18. Jahrhundert. Auch Oda Mae hob sich von den anderen ein wenig ab, da sie passend zu ihrem Charakter ausgefallenere, buntere Sachen trug. Bei Tanzsequenzen wurde dann auch die Kostümierung der Tänzer angepasst.
Nun aber zum wichtigsten Teil bei einem Musical: die Musik. Wie schon anfangs erwähnt, war der Gesang großartig. Jeder der Darsteller, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, hatte eine gute Stimme, die man manchmal nur bewundern konnte. Die Songs an sich waren sehr pop- und rocklastig, was ich gar nicht so erwartet hätte. Leider muss ich jedoch sagen, dass sie manchmal etwas eintönig waren und nicht allzu viel Abwechslung beinhalteten. Bei einem kurzen Blick in den Orchestergraben, konnte man die verschiedenen Instrumente sehen, die zur musikalischen Begleitung genutzt wurden. Darunter befanden sich dann z. B. eine E-Gitarre oder ein Schlagzeug. Erstaunlich war, dass der Dirigent gleichzeitig auch Pianist war. Es gab überwiegend sehr viele heitere und schnelle Songs, aber auch langsamere, gefühlvollere, die passend zu den Szenen eingesetzt wurden. Das Titellied „Unchained Melody“ wurde als Leitmotiv immer wiederkehrend genutzt und zog sich somit durch das ganze Stück, was auch mal für ein bisschen Gänsehaut sorgte. Die Songs, die von Oda Mae gesungen wurden, hatten meiner Meinung nach immer einen leichten Gospel-Touch, was zum Charakter passte und mir sehr gefiel. Einige Melodien hatten sogar Ohrwurmcharakter, sodass mir das Lied „Jetzt und Hier“ im Kopf geblieben ist. Die Choreographien zu der Musik waren sehr abwechslungsreich. Oft wurden auch Requisiten miteinbezogen. So tanzte man am Anfang mit Koffern und zwischendurch mal mit Einkaufswagen. Dabei waren die Tänze nie zu einfach, sondern auch mal etwas ausgefallener, aber immer synchron.
Würde ich das Stück nun also weiterempfehlen? Definitiv ja. Für alle Fans des Films ist „Ghost – Das Musical“ ein Muss. Und auch für alle, die den Film nicht kennen, sondern nur Musicals mögen, ist das Stück einen Besuch wert. Die sympathischen Darsteller können mit Gesang und Schauspiel voll und ganz überzeugen und haben den Charakteren einen ganz eigenen Charme verliehen. Die Songs haben einfache, schöne Melodien, die nachträglich im Ohr bleiben, und werden von auschoreographierten Tanzeinlagen unterstützt. Zusammen mit den vielen tollen Effekten ist es ein Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergessen wird. Ich hatte während des Stückes unheimlich viel Spaß und wurde auch von der Story sofort mitgerissen. Das Ende ist eines der schönsten, die ich jemals gesehen habe. Ja, ich hatte sogar die ein oder andere Träne in den Augen. Das Theater konnte man letztendlich aber nur mit einem Lächeln auf dem Gesicht verlassen.
 
Quellen:
https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/ghost-berlin.html